touché | Kritiken
Tanzhaus Zürich // 15. September 2006
… Ganz anders Jessica Huber, die zusammen mit den Tänzern Tim Fletcher und Mickaël Henrotay Delaunay sowie dem Musiker Chris Durussel ihr Stück touché auf die Bühne brachte: ein tänzerisch-musikalisches Kleinod über physisches Berührt-Werden und seelisches Berührt-Sein, das die Spielarten menschlichen Miteinanders, den ewigen Kreislauf von Nähe und Distanz, ungemein poetisch, geistreich und erfrischend ironisch erforscht. Hier sucht man sich tastend und weicht einander aus, sinniert über Küsse und Kämpfe, jagt, greift und packt sich, bis traumverloren Nähe entsteht und sich alle Intimität schliesslich dann doch wieder in übermütig-taumelndem Spiel verliert.
Anja Lachmann, NZZ, 18. September 2006
Tanzhaus Zürich // 15. September 2006
… Ganz anders die Gruppenarbeit touché von Jessica Huber. Zusammen mit den Tänzern Mickaël Henrotay Delaunay und Tim Fletcher spannt sie einen klaren Bogen der verschiednen möglichen Berührungen. Angefangen mit dem neckischen Blindekuh-Spiel über kämpferisches aneinander Messen zu einer eigentlichen Demonstration von Männlichkeit und schliesslich der sich selber kritisch prüfenden Berührung. In diesen Berührungen findet harmlose Neckerei Platz, die jedoch unversehens in einen die Freiheit des anderen verletzenden Übergriff kippt. In wenigen verbalen Ausflügen wird etwa die gängige Begrüssungsart hierzulande – drei Küsschen – mit der in Neuseeland – good old handshake – in Verbindung gebracht. Diese reich an weiteren Assoziationen ausgeführte Reise in die Welt der Berührungen stellt klar dar, dass die Grenzen der angenehmen Berührungen individuell sehr unterschiedlich gezogen werden. Ganz gemäss dem Titel, der gleichsam berührt wie getroffen heissen kann.
Thierry Frochaux, P.S., 21. September 2006
Theater am Gleis Winterthur // 19. April 2006
… Jessica Huber befasst sich in touché mit eben diesen Berührungen, den gewollten und den ungewollten, die in vielfältiger Art und Weise unseren Alltag prägen. Das im Theater am Gleis aufgeführte Stück der Tänzerin und Choreographin mit Winterthurer Wurzeln wirft Fragen auf, ohne sich kaum je der gesprochenen Sprache zu bedienen. In welchen Situationen berühren wir den eigenen Körper oder einen Fremden? Empfinden wir dabei Genuss oder Angst? Wo hört das Spiel auf und fängt der Ernst an?
Gezeigt werden Szenen der schüchternen Annäherung und des zupackenden Überwältigens: Delaunay rollt mit dem Neuseeländer Fletcher auf dem Boden. Schwitzkasten oder Umarmung? Kein Bühnenbild, keine Kostüme, kaum Text. Die Requisiten beschränken sich auf einen beweglich gelagerten Leuchtkörper, der auch als Spielball dient. Die Musik ist reduziert auf einfache Samples und gelegentliches Schrummen des Gitarristen und Komponisten Chris Durussel. Diese Reduktion macht sich bezahlt und verleiht dem Tanz auf dem schmalen Grat von Berührung und Belästigung eine atemlose Dichte und Intensität.
Michael Graf, Der Landbote, 21. April 2006